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RACE-NEWS
1. November 2016
Spontan-Marathon

Am vergangenen Sonntag startete ich beim wohl verrücktesten, unvernünftigsten und irgendwie auch coolsten Spontan-Wettkampf dieses Jahr. Die Wettervorhersage war gut und Samstag war bereits ein traumhafter Spät-Oktobertag. Die Verlockung, am nächsten Tag beim Frankfurt Marathon zu starten, war groß. Bereits die letzten beiden Jahre hatte ich über einen Start nachgedacht, war damals die Form und auch die Verletzungssituation jedoch viel zu schlecht, um ernsthaft darüber nachzudenken. Dieses Jahr passte die Form eigentlich. Gut, lange Läufe hatte ich keine gemacht, die Woche über viel zu viel trainiert und der linke Oberschenkel bereitete auch schon seit ein paar Wochen Probleme und war seit dem Halbmarathon zwei Wochen zuvor nicht wieder voll belastbar. Dennoch, so unverletzt wie jetzt war ich lange nicht. Keine Probleme mit den Achillessehnen, der Knochenhaut oder dem Sprunggelenk und die Probleme im Muskel waren nur muskulär. Ob ich jemals weniger Wehwehchen haben würde, weiß ich nicht, daher schrieb ich Samstagmittag eine Nachricht an meine Physiotherapeutin, was sie zu einem Start sagen würde. Da die Nachricht zwar übermittelt wurde, aber sie sie nicht las, verabschiedete ich mich mental von dem Gedanken Marathon und sagte mir, dass es viel zu unvernünftig sei und meine Physio mich nach der Nachricht sowieso für verrückt erklärt. Da das Wetter so schön war, wollte ich wenigstens die Sonne nutzen und radelte mit Michi in den Vogelsberg, wo in Wittgenborn der Strong Viking stattfand. Schlammverschmierte Athleten verlangten dort auf bis zu 42 km ihrem Körper an über 100 Hindernissen alles ab. Mein Fazit des Besuchs dort: das wäre nichts für mich und so ein Marathon ist dagegen doch sicher ein Kinderspiel.
Wieder zuhause angekommen schaute ich auf mein Handy und sah die Nachricht: „Glaube an den Oberschenkel und laufe.“ Alles klar. Nun also doch. Zwar vollkommen kaputt von der 3-stündigen Rad-Ausfahrt, hungrig, durstig, aber dafür war jetzt keine Zeit… Nur noch 1,5 Stunden bis die Anmeldung schließen würde. Also schnell unter die Dusche, ab ins Auto und nach Frankfurt düsen. Ein Stau auf der A3 kostete wertvolle Minuten. Nicht zu wissen, wo genau die Startunterlagen-Ausgabe in Frankfurt ist, machte es auch nicht besser. Da ist der Messeturm, da die Festhalle, irgendwo hier musste es sein. Ein hektisches Herumirren und kurz nach 19 Uhr stehen wir in der Messehalle. Da ist das Schild „Starterbeutel-Ausgabe“. Es sind noch Menschen am Stand. Kurze Zeit später erfahren wir, dass es hier nur die Beutel gibt und die Anmeldung auf der gegenüberliegenden Hallenseite ist. Zügigen Schrittes geht es einmal quer durch die Halle. Die Anmeldung schaut vereinsamt aus. Keine Athleten mehr zu sehen. Nur am Nachmeldeschalter stehen vier Menschen mit mika:timing T-Shirts. Ein kurzer Blick auf deren Uhr sagt, es ist zu spät. 19:06, die Anmeldung ist vorbei. Dann gibt es doch das Okay. Schnell wird der Nachmeldebogen ausgefüllt und kurze Zeit später halte ich die Startnummer in der Hand. Oha. Was habe ich mir bloß dabei gedacht? Schnell kaufe ich noch 2 Gels auf der eigentlich schon geschlossenen Marathon-Messe.
Vollkommen unvorbereitet sind wir gegen 21 Uhr zuhause. Was brauche ich für morgen? Was esse ich jetzt noch? Wie bekomme ich meine Beine locker? Welches Tempo gehe ich an? Moment mal, Startblock 6 steht da auf meiner Startnummer. Aber ich musste doch meine Zielzeit angeben? Jetzt stehe ich im letzten Block? Das kann doch nicht sein. Komme ich morgen trotzdem weiter vorne hin? Das muss ich unbedingt am nächsten Tag noch klären! Was mache ich mit der Bekleidung vor dem Start, wo kann man parken, wie kommt man zum Start, wann muss ich aufstehen, losfahren? Fragen über Fragen. Auch nachts lassen sie mich nicht in Ruhe und so schlafe ich nur 3 ½ Stunden.
Am nächsten Morgen klappt alles nahezu perfekt. Kein Stau auf der Autobahn, eine unbeschwerte Anreise ohne Stau vor dem Parkhaus, der Shuttle-Bus ist auch schon da und fährt direkt los. Über anderthalb Stunden vor dem Start sind wir an der Messe. Einlaufen plane ich für heute nicht, es werden noch genügend Kilometer. Am asics-Stand hole ich mir ein Armband mit meiner Zielzeit. Weiter geht es zu der Anmeldung. Hier bekommen wir am Help Desk problemlos einen Aufkleber für eine andere Startzone. Super. Läuft ja alles. Nun heißt es noch 90 Minuten ausruhen und frühstücken. Hier sind tausende von Menschen, alles ist total hektisch, die Gänge sind voll, ein Durchkommen schwierig. Ich treffe eine Konkurrentin aus der Regionalliga. Sie schaut heute nur zu und supportet, wäre mir jetzt auch lieber. Ob ich vorbereitet sei? Nein, nicht wirklich. Wir finden ein ruhiges Plätzchen im Treppenhaus und ich versuche, noch etwas zu entspannen. Dann geht’s noch mal zur Toilette und zur Abgabe des Starterbeutels. Für die Toilette hätte ich mehr Zeit einplanen müssen, nun wird es hektisch. Die Zeit drängt, bei der Beutel-Abgabe ist der Bereich mit unseren Nummern nicht zu finden. Die hohen Nachmeldenummern sind nicht aufgeführt. Es folgt nervenraubendes Suchen und endlich, 8 Minuten vor dem Start, sind die Beutel weg. Die zweite Startwelle startet 10 min nach der ersten und so sind noch viele LäuferInnen unterwegs zum Start, sie haben ja noch mehr Zeit. Das macht es nicht einfacher, durchzukommen. Im Laufschritt geht es Richtung Startlinie, zumindest da, wo es geht. Wenigstens ein bisschen einlaufen. Trotz Sonne sind die 5 Grad Außentemperatur mir eigentlich zu kalt. Drücken, schieben, drängeln, … da ist er, der Eingang zum zweiten Startblock. Und voll ist es. Die Ordnerinnen schauen auf die Startnummer und meinen Aufkleber und lassen mich durch. Auch Läufer mit Block 6 auf der Startnummer drängeln sich mit rein. Obwohl die Ordnerinnen widersprechen ist es ihnen egal. Ich schiebe mich durch Menschenmassen bis ich 10cm Platz habe. Nun noch mal Schuhe binden. Da drüben sind auch die Luftballons der Zug- und Bremsläufer, denen ich folgen will. Meine Uhr sagt noch 1 Minute. Da ertönt es im Lautsprecher: Noch drei Minuten bis zum Start. Okay. Doch noch etwas Luft. Der Startschuss fällt und…. nichts passiert. Die Menschenmassen setzen sich nur langsam in Bewegung. 3 Minuten gehen, traben, stehen bleiben, antraben, wieder gehen. Endlich ist sie da: die Startlinie.
Nun geht’s also los. Durch das Startprozedere und die Hektik im Vorfeld bin ich relativ ruhig. Schnell angehen ist jetzt eh nicht. Es setzt sich so in Gang, immer wieder plötzliches Abbremsen, Ausweichen, Überholen, Vorbeiquetschen. Insbesondere in den Kurven gibt es immer wieder Stau. Der Lauf ist sehr unrhythmisch und mehr ein Schlangenlinienlauf. Viele LäuferInnen, die langsamer als 6er Schnitt laufen haben sich viel zu weit vorne einsortiert, bremsen aus und machen es noch schwieriger, einen Laufrhythmus zu finden. Der zweite Kilometer ist mit fast 5 min viel zu langsam, aber es ist einfach kein Durchkommen. Ich bin leicht genervt, sollte es aber eigentlich nicht sein und lieber die Stimmung an der Strecke genießen. Sobald sich eine Lücke auftut, schnell wieder beschleunigt, wieder ein bisschen Zeit gut machen. Die Luftballons haben einen besseren Weg gefunden und sind schon etwa 100m weiter vorne. Immer wenn es geht, versuchen wir wieder näher zu kommen. Dabei weiß ich, dass ich mich kaputt mache mit unrhythmischem Laufen. Die erste Verpflegungsstation kommt nach 5 km. Auch das eine Herausforderung. Überall sind andere Läufer, jeder will einen Becher erhaschen und es steht kaum noch etwas auf dem Tisch. Ich bekomme einen Becher, stürze aber fast über andere Läufer, doch nichts passiert und ich kann noch ausweichen. Für meine empfindliche Muskulatur allerdings alles andere als optimal.
Die Kilometer ticken nur so weg. 5km, 10km, ab jetzt gibt es alle 2,5 km eine Verpflegung. Ich denke nur noch von Verpflegung zu Verpflegung. Bis Kilometer 15 passt das Tempo. Konstant 20 sec langsamer als angepeilt. Das waren wohl die 20 sec vom 2. Kilometer. Zur Halbmarathon-Marke wird es dann etwas langsamer. Nun hängen wir eine Minute zur Zielzeit. Wäre aber immer noch super. Also alles gut. Ab km 25 wird es dann allerdings schwer. Bei km 28 meine erste mentale Krise. Was? Erst 2/3 der Strecke? Und die Beine tun schon so weh? Zum jetzigen Zeitpunkt wäre es gut gewesen, ein Gel zu nehmen. Darauf komme ich aber erst nach dem Rennen. Langsam laufe ich mich in ein Loch. Das Tempo geht runter. Dann treffe ich einen Bekannten wir unterhalten uns kurz, er muss aber das Tempo drosseln, der Oberschenkel macht nicht mehr mit. Mir geht es jetzt wieder richtig gut. Wenn ich das Tempo halte, wird es noch etwas mit einer Zeit knapp über 3:20. Nur noch maximal eine Stunde. Denke ich. Dann das nächste Loch. Ich kann das Tempo nicht halten. Die Muskeln schmerzen mehr, ich überlege zu gehen, laufe aber weiter. Endlich gibt es an der Verpflegung Cola. Das gibt einen Schub, jetzt sieht es wieder besser aus, 3:25 ist immer noch drin. Allerdings nicht lange. 3 Minuten später das nächste Loch. Nun wird es sehr schwer. Muskulär bin ich fertig. Mental auch. Zucker hätte helfen können, aber ich bin zu kaputt, um das Gel zu nehmen. Wahrscheinlich würde ich auch an den Verpflegungsstellen nichts mehr nehmen, wenn Michi mich nicht mitversorgen würde. Ich werde immer langsamer und die Kilometer schleichen dahin. Dann kommt der 3:29 Luftballon an uns vorbei. Wie schnell die laufen. Keine Chance, auch nur annähernd mitzugehen. 3:30 wird nun auch nichts mehr. Die letzten 3km wollte ich noch mal beschleunigen. Nicht machbar. Wir werden immer langsamer und biegen endlich, endlich in die Festhalle ein. Die Stimmung ist gigantisch, ich nehme nur kaum noch etwas wahr. Über den Zielstrich und dann bin ich einfach nur noch froh, dass es vorbei ist. Die letzten Kilometer waren vom Schmerz geprägt und ich kann jetzt nicht mehr stehen. Mein Rücken braucht eine Pause. Ich sitze am Rand im Zielbereich und versuche, die Atmosphäre wenigstens jetzt zu genießen. Verrückte Aktion. Vollkommen unvorbereitet. Aber gerade deswegen auch unglaublich cool und sicherlich unvergesslich.


Finishline in der Frankfurter Festhalle vor dem Start
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