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RACE-NEWS
21. August 2012
Zweite beim IRONMAN SWEDEN

Am Samstag, den 18.08.2012, hieß es dieses Jahr nun schon zum dritten Mal für mich:
‚You are an Ironman‘.

Dies war die beiden Wochen vor dem Rennen so gar nicht absehbar. Nach einer super gelaufenen letzten Vorbereitung vor dem Ironman begann meine Taperphase mit der Ernüchterung. Meine Achillessehnenverletzung brach wieder auf und an Laufen war nicht mehr zu denken. Als mir mein Physio sowohl Lauf- als auch Radverbot bis zum Ironman verordnete, stellte ich mich mental schon darauf ein, anstatt den Ironman zu finishen meinen ersten Urlaub in Schweden zu verbringen. Wir reisten eine Woche vor dem Rennen an und in der Woche war ich genau einmal auf dem Rad, für 53 sehr lockere Kilometer. Den Rest der Zeit verbrachte ich mit Sightseeing auf der Insel Öland, wo wir unser Haus hatten, Registrierung, Pressekonferenz, TV-Termin für Sport1.

Obwohl ich davon ausging, dass ich das Ziel nicht erreichen würde, wollte ich so viel wie möglich der fantastischen Ironman-Atmosphäre mitnehmen. Meine Motivation stieg, je mehr ich wahrnahm, wie perfekt organisiert dieses Event war und als ich die Stimmung an der Strecke beim Mini-Triathlon am Donnerstagabend mitbekam, sagte ich zu meiner Mutter, dass ich das Rennen finishen würde, auch wenn ich 42km gehen müsste. Im Zielbereich war die Stimmung einfach unbeschreiblich, wie würde es also erst beim Ironman am Samstag werden!?

Das Rennen

Die Anfahrt und das Parken am Wettkampfmorgen waren total unproblematisch. Die Absperrung auf der Ölandbrücke ließ mich erkennen, wo ich 3 Stunden später auf dem Rad über dieses faszinierende Bauwerk radeln würde und ich freute mich insbesondere auf den Radpart.
Meine Wechselzone hatte ich schnell hergerichtet und es war noch eine Stunde bis zum Schwimmstart. Etwas irritiert, so viel Zeit bis zum Start zu haben (für mich total ungewöhnlich), wusste ich erst nicht, wie ich die Zeit überbrücken sollte. Ganz schnell war es dann aber doch schon 6:45 Uhr, die meisten schon im Wasser und ich immer noch nicht im Neo. Da war sie wieder, die Hektik, der Vorwettkampfstress, den ich irgendwie zu brauchen scheine :) Schnell die zweite Haut übergestreift und los ging es, durch die Menschenmassen hindurch, auf den Steg, um den die Schwimmstrecke später auch rumgehen sollte und ab ins Wasser. Etwa hundert Meter eingeschwommen in der frischen, aber absolut ruhigen Ostsee, das sollte reichen, es stand noch genug Schwimmen auf dem Tagesplan. Und dann stand ich da und hörte noch, wie der Priester sein Gebet mit ‚May the force be with you‘ beendete – wow, die Schweden haben Humor! Und schon waren es nur noch 5, 3, 2 Minuten bis zum Start. Die Startlinie wanderte langsam aber sicher ein paar Meter weiter nach vorne und völlig unerwartet ertönte dann der Startschuss und das Schlagen begann!
1400 Athleten starteten zeitgleich im Wasser, neben den Pros die schnellsten Schwimmer und nach nur wenigen Metern wurde ich von den ersten weißen Schwimmkappen (der Agegrouper) verdroschen. Die ruhige See verwandelte sich in ein hektisches Wellenbad und daran, einen eigenen Rhythmus zu finden, war nicht zu denken! Ich wollte eigentlich weiterhin an Rebekkas Füßen bleiben, davon versprach ich mir eine gute Schwimmzeit, aber nun hatte ich damit zu kämpfen, überhaupt wieder Boden unter meinen Füßen zu erreichen und nicht vorher ertränkt zu werden. Neben etlichen ‚kleineren‘ Schlägen erwischte mich einer so heftig am Kopf, dass ich dachte, ich muss das Rennen, bevor es richtig angefangen hat, beenden. Mehrmals wurde ich am Knöchel gepackt und zurück gezogen, Athleten hielten sich an meiner Schulter fest und drückten mich nach hinten, ich wurde überschwommen, geschlagen und getreten. 3,7 km der Schwimmstrecke waren ein einziger Kampf, der mehr Energie kostete als das Schwimmen selbst. Ich bekam einen Tritt in die Magenkuhle, dass ich dachte, ich kann nicht mehr atmen. Dazu aber immer wieder die tolle Stimmung beim Schwimmen um den Pier, die ihresgleichen sucht. Tausende Zuschauer, die einen unheimlichen Lärm machten. Das entschädigte auch für die Schläge und Algen, die ich verschluckte.
Die letzten 100m ließ ich etwas abreißen und schwamm dann für mich alleine, ganz ruhig. Vor der Wechselzone musste ich etwas relaxen. Trotzdem erreichte ich mein Ziel, endlich mal wieder unter einer Stunde zu bleiben mit meinen 58:55 Minuten. Rebekka kam als einzige Pro-Dame vor mir aus dem Wasser, insgesamt war ich 6. Frau, nach den ersten 3 Radkilometern dann aber bereits auf Rang 2 hinter Rebekka. Zu diesem Zeitpunkt fuhr auch zum ersten Mal das TV-Motorrad an mir vorbei und fragte, ob ich die Führende sei oder Rebekka noch vor mir wäre. Sie blieben dann noch kurz bei mir, verschwanden wenig später aber nach vorne.

Nach der rauschenden Fahrt über die Ölandbrücke entzerrte sich alles und ich fuhr ganz alleine meinen eigenen Rhythmus. Nachdem es beim Schwimmen so voll war, wunderte ich mich, dass ich nun den nächsten Radler in 150m Entfernung erst sah. Bis zum ersten Wendepunkt in Morbylonga blieb das auch so und dann kamen einige von hinten. Nun wurde es etwas lebhafter. Und ich konnte auch Rebekka sehen. Ich stoppte den Abstand. 4:05 Minuten. Also in etwa genauso wie wir aus der ersten Wechselzone rausgefahren waren.

Als es dann von West nach Nord durch das Naturschutzgebiet ging, zeigte mein Tacho auf flacher Strecke immer zwischen 46 und 48 an. Wow! Es war also windig! Das würde auf dem Rückweg über die Brücke sicher unangenehm werden. Dank nun einiger anderer Radler in der Nähe, versuchte ich mich pacen zu lassen, möglichst flach auf meinen Aufliegern zu liegen und den Abstand bei 10m zu halten, mich ansonsten aber mitziehen zu lassen. Stellenweise haben sich auf der Stecke ziemlich große Gruppen gebildet, das bleibt bei so vielen Teilnehmer und flacher Strecke sicher auch nicht ganz aus, aber ich kann nur von mir da vorne sagen, dass bestimmt ein Drittel der Strecke immer einer der Race Marshalls in der Nähe war, die darauf achteten, dass es auch 10min zwischen Hinter- und meinem Vorderrad sind. An den Wendepunkten stellte ich allerdings leicht frustriert fest, dass das für weiter hinten fahrende Athleten nicht so zutraf. Dennoch war es dort wohl auch nicht unfairer als bei anderen Ironman-Veranstaltungen, da doch relativ viele Motorräder mit Marshalls unterwegs waren.

Wie viel Energie eine flache, windige Strecke auf dem Rad kosten kann, hatte ich etwas unterschätzt. Die erste Runde auf Öland nahm ich genug Essen/Trinken zu mir und fühlte mich super gut, als wenn es ewig so weitergehen könnte. Nach ca. 2:20 Stunden hatte ich die ersten 90km absolviert. Bei km 135 etwa übernahm ich dann auch die Führung von Rebekka, aber nur ca. 10km später war dann sowohl meine Trinkflasche mit Gels als auch mein eigener Energieakku leer. Bei der nächsten Verpflegung erwischte ich auch nur Wasser und am Bahnübergang verlor ich die Flasche auch noch. Nun wurde es wirklich hart. Die letzten 35km hatte ich auch die vor mir Fahrenden verloren und so fuhr ich alleine, in den Hungerast rutschend und durstig mit schräg von vorne kommendem Wind vor mich hin. Mein Schnitt rutschte immer weiter nach unten, der Tacho zeigte nur noch 32km/h. Mental war das der erste schwierige Part des Rennens.

15km vor der Wechselzone kam die letzte Verpflegung und ich wusste, wenn ich jetzt keine Cola bekomme, schaffe ich es nicht bis zur T2. Zum Glück bekam ich Cola und trank bis zur Wechselzone auch die ganze Flasche aus. Nur hatte ich nun ein Problem. Normalerweise beginne ich nicht vor der Halbmarathonmarke mit Cola, jetzt würde ich also den gesamten Marathon mit Cola laufen müssen. Aber so richtig beschäftigte mich dies zu dem Zeitpunkt nicht. Ging ich doch davon aus, dass meine Sehne sowieso Laufen nicht zulassen würde. Nach 4:48 Stunden stieg ich richtig platt vom Rad, meine Oberschenkel brannten und ich fühlte mich total leer. Sowas sollte man wirklich nur machen, wenn man plant (und es auch durchzieht!) hinterher nicht mehr zu laufen. Aber ich war Führende nach dem Rad. Die Zuschauer waren der Hammer. Und das TV war auch wieder bei mir! Also was tun? Glücklicherweise hatte ich mich doch entschieden, Laufschuhe in die Tüte zu packen und so lief ich erst einmal (viel zu schnell) los. Ich war einfach nur froh, endlich laufen zu dürfen, runter vom Rad und dann die Zuschauer… ich war in der Führung! Bei einem Ironman! Wahnsinn! War das wirklich wahr? Und ab da gab es kein Halten mehr. Die ersten 5km lief ich in 20:46 min an. Viel zu schnell! Aber es ging super!

Kurz vor der 5km Marke holte ich einen Deutschen, Domitian, ein, den ich ansprach. Wir kamen ins Gespräch und beschlossen, möglichst weit zusammen zu laufen. Er hatte eine 9:10 Stunden aus Roth stehen. Wow! Bei km 15 ging ich bei 1:09 Stunde durch. Hammer, nun nur noch das Tempo halten oder nicht viel zu viel langsamer werden. Doch was war das?! Ziemlich genau bei 15km zog es auf einmal in der Sehne richtig. Leicht schmerzte sie schon die ganze Weile, aber nichts Ungewöhnliches. Aber nun fühlte es sich alle paar Schritte so an, als würden immer kleine Fasern abreißen. Sehr beunruhigend! Und schmerzhaft. Ich fing an, mir Sorgen zu machen. Würde ich weiterlaufen können? Muss ich gehen? Die Schmerzen wurden stärker, wir redeten weniger. Mein Mitläufer musste pinkeln und blieb etwa bei km 19 stehen. Das brach mich mental. Ich nahm Tempo raus. Richtig viel Tempo. Und war tief im Loch. Mental völlig am Ende. Energetisch im Nachhinein betrachtet ebenfalls. Nachdem ich auf dem Rad schon total ‚leer‘ gewesen war, hielt ich mich danach nur an Cola fest! Gels hätten helfen können, oder mehr Cola! Aber nicht diese 2-3 Schlucke alle 2-3km. Einfach zu wenig! Also ich war drin in diesem Loch, dieser dunklen Seite eines Ironman, das, was so weh tut, dieser innere Kampf. Meine Sehne schmerzte, ich erwartete jeden Moment, dass sie reißt. Und dann war es auch noch so weit bis ins Ziel! Nicht einmal die Hälfte. Aber… I was in the lead! Still!

Allerdings nicht mehr lange. Bei km 23 lief Asa an mir vorbei. Nachdem der Abstand die ersten 15km konstant bei 4,5 Minuten (wie nach dem Rad) geblieben war, war sie nun heran und auch sofort vorbei gelaufen. Okay, egal. Vielleicht bricht sie ein. Und ein zweiter Platz bei einem Ironman ist nun auch nicht so schlecht. Also, weiter laufen, laufen, laufen, ein Fuß vor den anderen, einfach bewegen. Meine Sehne tat weh, meine Oberschenkel taten weh, meine Waden taten weh, mein Magen stresste… und ich hatte gerade mal die Hälfte der Laufstrecke und hinter mir eine verdammt schnelle Japanerin, Rebekka und die schwedische Meisterin der vergangenen Jahre. Ich lief wieder neben einem Deutschen. Oder besser er neben mir. Er sprach mich an, ich war kurz angebunden, ich wollte alleine sein, nicht reden, alleine leiden… bis Domitian wieder von hinten kam. Nach seiner Pinkelpause hatte er ebenfalls mit mentalen Tiefs zu kämpfen, stoppte an zwei Verpflegungsstationen und einige Becher Cola und viele Chips später fühlte er sich wieder besser und war nun wieder an mich heran gelaufen und motivierte mich, mitzukommen. Ich widersprach, sagte, es ginge nicht, meine Sehne… ich könne nicht mehr.

Noch 13km.

Dennoch, irgendwie wurmte mich, dass er an mir vorbeilief. Wir hatten zu Anfang ja gesagt, wir laufen zusammen. Nun war er wieder da. Ich musste mitgehen. Er war schon 10-15m weg, aber ich beschleunigte, lief wieder ran und hinterher. Dann liefen wir wieder nebeneinander. Es fühlte sich wieder nach Laufen an. Viel flüssiger. Die Sehne tat weh. Aber unverändert. Nicht mehr als beim langsamer Laufen. Und ich lag noch auf Rang 2. Platz 2. Auf dem Podium! Bei einem Ironman!

4km vor dem Ziel bekam ich Panik, dass wieder jemand von hinten kommt, kurz vor dem Ziel. Wie in Klagenfurt! Wir fragten meinen Radfahrer ‚2. Woman‘, wo die Dritte sei. Er sagte, er habe keine Infos. Sehen könne er sie nicht. Okay. Immerhin. Dennoch beschleunigte ich nochmal. Ich wollte sicher gehen. Domitian konnte nicht mehr ganz folgen. Also lief ich die letzten 2,5km alleine, dem Ziel entgegen.

Das letzte Stück durch die Stadt! Bombenstimmung! Hammer Atmosphäre! So viele Zuschauer! Kopfsteinplaster (autsch!)! Egal, gleich war ich im Ziel! Und auf dem Podium! Mein erstes Pro-Podium! In dieser Runde war auch das Kopfsteinpflaster egal, so wie es in der ersten Runde egal gewesen war, in Führung liegend mit Gänsehaut-Anfeuerungs-Feeling. In der zweiten Runde war es hart gewesen, aber es hatte sich gelohnt! Nun hatte ich es fast erreicht, das Ziel, mein Ziel, aufs Podium zu kommen! Und dann sah ich die Zeit 9:21:40,41,42,43 Hammer!!! Ich war unter 9:30 Stunden, mein erhofftes zweites Ziel. Ich dachte, ich seh nicht richtig, weil das Ziel noch so weit weg war, 200m etwa noch. Doch dann kam ich näher… Genial, die Uhr zeigte wirklich 9:22 an! Und nach 9:22:32 hatte ich es geschafft! Ich war im Ziel! Freude! Wahnsinn! Und so viele Zuschauer! Eine Wahnsinnsstimmung! Ein geiles Event! Von der Organisation über die Volunteers, die Zuschauer, die Location, die Strecke, der Support! Es gibt nur ein Wort: WAHNSINN!!! Okay, zwei Worte: WAHNSINN!!! DANKE!!!


Ironman Sweden – meine Splits

58:55 - 1:31 -  4:48:48 - 1:48 - 3:31:30 = 9:22:32

Ironman Sweden in der Presse

WolfenbüttelHeute
Bericht auf www.ironman.com

Bericht auf www.triathlon.de
Bericht auf www.tri-mag.de
Bericht auf www.tri2b.com

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